Montag, 10. August 2009

05.- 07. August - vom Indischen Ozean zum Pazifik - via 'Indian Pacific'

Wie kommt man von der einen Seite Australiens zur anderen? Ganz einfach - per Zug. Und zwar ueber eine der aeltesten Langstreckenverbindungen Australiens und der einzigen von West- nach Ostaustralien, ohne ein Flugzeug zu benutzen. Der Indian Pacific sieht von aussen ziemlich unspektakulaer aus, wie ein mit Wellblech ueberzogener stinknormaler Zug, der mit 'Indian Pacific' beschriftet ist. Aber eigentlich interessierte mich das Auessere auch nicht halb so viel, wie das Innere. Schliesslich sollte ich 42 Stunden darin verbringen. So war es also schon ein wenig schockierend, als ich unsere Kabine betreten sollte. Das ging naemlich nicht, zumindestens solange Martin verbluefft in der Tuer stand. Die Kabine war dermassen...winzig, dass nur zwei reinpassten, wenn sie auf den Sitzen paltziert waren. Die Sitze waren allerding sehr komfortabel, was mich hoffen liess, die Reise einigermassen entspannt zu ueberstehen. Als ich dann auch rausgefunden habe, wo sich die Betten befinden und wie sie von Wand und Decke in die richtige Position gebracht werden konnte, war ich beruhigt. Jetzt konnte es also losgehen. Tueren zu und 'Gute Fahrt!'. Unsere Fahrt sollte uns von Perth durch die Wueste nach Kalgoorlie durch die Wueste nach Cook durch die Wueste und nach langem Durch Die Wueste auch nach Adelaide, unserem Ziel, fuehren. Allerdings lagen einige Stunden langer Fahrt vor uns. Wie sollte man die sich also vertreiben? Vor allem sollte man was essen. Da es in jedem Langstreckenzug auch ein Restaurant gibt, hat es uns nach einiger Zeit dahin verschlagen, eigentlich auch mehr, um mal ein bisschen Preise zu vergleichen. Wir stellten erstaunt fest, dass sie im Bereich 'Bezahlbar' lagen, was uns zufrieden stellte. Das Restaurant gab aber auch die Gelegenheit, sich die zwanglaeufig aufsteigende Langeweile nach ungefaehr zwei Stunden Nichts zu vertreiben - und zwar mit Karten spielen. Am ersten Abend war es vor allem Romme, das Spiel ist in Australien nicht gerade bekannt, zumindestens nicht unter jungen Leuten. Also haben wir uns eine alte Dame geschnappt und mit ihr zusammen gespielt und dabei eine sehr wichtige Weissheit fuer alle uebermassigen Kartenmischer gelernt. Man hoere und verkneife sich nicht das lachen. Sie lautet: "Don't shuffle too much, otherwise you will rub off the Queens tits." - Misch nicht so viel, ansonsten reibst du die Brueste der Dame ab.
Unser abendliches Kartenspiel wurde aufgeheitert von einer Truppe volltrunkender Chaoten - Fussballfans. Die haben sich schon bevor wir den Zug betreten haben die Kante gegeben und im Zug ihr Powertrinken fortgefuehrt. Spassigerweise sagten die Spruech auf ihren Shirts schon alles - Zug, Flugzeug und Alkohol (mit dem Zug zum Spiel nach Adelaide, mit dem Flugzeug zurueck und das ganze begleitet von dauerndem Alkoholkonsum). Anfaenglich war das noch witzig zu beobachten, aber nachdem alle voll waren und einfach nur nervig aufdringlich wurden, hatte man doch die Schnauze voll. Aber an schlafen war noch nicht zu denken, schliesslich wollten wir ein bisschen Goldgraeberfeeling mitnehemn, gerade weil wir im reichsten Bereich Australiens waren. Kalgoorlie, unser erster Zwischenstop um kurz nach zehn abends, war und ist Die Goldgraberstaedt in Westaustralien. Angefangen hat das alles mit einem kleinen Stueck Gold, das Paddy Hannan 1893 gefunden hat. Damit etwas Schoenes unter der Erde liegt. Also nahmen sie die Erde auseinander und als es auf der Oberflaeche nichts mehr gab, suchten sie darunter. Dadurch entstanden viele metertiefe Mienen. Die gesiebte Erde wurde zur Errichtung der Goldgraberstadt Kalgoorlie genutzt. Schade nur, dass die Menschen damals nicht wie heute in der Lage waren, auch den letzen Staubkruemel Gold zu gewinnen. Das ist mitunter einer der Gruende, warum K. eine der wertvollsten Staedte Australiens ist, denn Kalgoorlies Haeuser stehen auf goldenem Fundament.
So waren wir also gespannt, was wir sehen wuerden. Die Stadt an sich ist nicht besonders spannend. So wie in fast jeder australischen Stadt, gibt es auch hier eine High Street. Wir haben davon aber wegen der spaeten Nachtstunde nicht viel gesehen. Viel spannender war aber auch die heutige iene und die war trotz Nachstunde hell beleuchtet und es wurde gearbeitet, wie jeden Tag, 24 Stunden lang, 365 Tage im Jahr. Unglaublich, was wir gesehen haben. Kilometerlange abgetragene Terassen aus Schutt - ein Loch mitten in der Wueste von mehreren hundert Metern Tiefe, dicke Schlepper, die die Miene hoch und runter fuhren, jedes Aufweg mit 225 Tonnen Schutt beladen, Verbrauch bei jeder beladenen Fahrt: 400l Diesel, Goldgewinn: ein Marsriegel Gold. Der Blick allein war einfach gewaltig.
Nach ein paar Fotos hiess es dann zurueck zum Zug und weiter nach Adelaide. Da es schon fast 1 Uhr morgens war, gings dann auch fuer uns ins Bett - das war der erste Test der Betten. Haben wir geschlafen??? Ich habe gewackelt, als wueder jemand mein Bett durchschuetteln, aber geschlafen habe Ich jedenfalls nicht gut. Das war echt schlimmer als auf einem Boot, hatte zwischendurch Angst aus dem Bett zu fallen. Aber immerhin hab ich ein bisschen doesem koennen und auch Martin war wenigstens ausgeruht. Am Morgen darauf war das erste was ich realisiert habe ein Fussballfan, der mit einer Vodkadose durch das Restaurant schlurfte - was fuer ein reichhaltiges Fruehstueck. Wir haben schoen gefruehstueckt und uns der besten Bestaeftigung im Zug hingegeben - Kartenspielen, aber dieses Mal Bullshit, ein neu gelerntes Spiel und Knack. Martin hat zwischendurch beschlossen, schlafen zu gehen und sich von der Nacht zu erholen, ich habe weiter gespielt. Am fruehen Nachmittag hatten wir unseren zweiten Stop - in Cook, einem Ort im Niergendwo. Die einzigen Leute vor Ort waren die Souvenirverkaeufer. Aber immerhin hatten wir die Moeglichkeit, die Lok zu fotografieren. Danach wieder in den Zug und Karten spielen. Fuer mich ging das noch bis 2:15 Uhr am naechssten Morgen so, unterbrochen von ein paar Mahlzeiten und kurzen Gespraechen mit den anderen Zuggaesten. Das Gute an stundenlangem spielen ist, dass man danach gut schlafen kann - ich hab durchgeschlafen :)
Nach 42 Stunden fahren, sind wir dann am 07.08. um 07:20 Uhr in Adelaide angekommen. Jetzt nur noch schnell ins Hostel und schlafen!

2 Kommentare:

  1. Der Spruch zum Kartenmischen ist gut!Was man doch alles in der weiten Welt lernen kann!Wann spielen wir das nächste Mal Romme',am besten mit Oma!?Schön glacht..Ich freu'mich für und mit euch über Alles ,,,vor allem,wenn ich mir den müden Martin und die Nächte durchspielende Eva vorstelle,köstlich!Knutschdrück!

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  2. ja ja ja...immer schön zocken!müssen wa ooch mal wieda machen...im neuen wohnzimmer dann...irgendwann!!!knutscherse an euch!

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